To The Bone

Bereits mit dem Titel weiß man, worum es in dem Film – eine Netflix-Produktion aus diesem Jahr – geht, nämlich Magersucht. Die Geschichte ist im Grunde schnell erzählt: Ellen, 20 Jahre alt und begabte Künstlerin (Lily Collins), isst nichts und ist magensüchtig. Sie bleibt es über weite Strecken des Films auch, was durch ihre andauernden Sit-Ups oder dem Prüfen ihres Oberarmumfangs deutlich wird. Die Gründe für ihre Sucht sind offensichtlich – ihre Mutter, Judy (Lili Taylor), die, als die Tochter 13 war, ihr Coming Out hatte, die Familie verließ und mit Depressionen schon bei der Geburt von Ellen zu kämpfen hatte, ein ständig abwesender Vater und eine überdominante Stiefmutter (Carrie Preston). Sie geht in eine betreute Wohngruppe, in der andere Magersüchtige meist ebenso unwillig an ihrer Genesung arbeiten wie sie selbst. Stardoktor Dr. Beckham (Keanu Reeves) heilt, indem er auf die Schönheiten des Lebens verweist und rät, man solle nicht nach einem Sinn im Leben suchen, sondern sich einfach zusammenreißen.

Spannend fand ich den Film dennoch, weil er übertragbar ist auf Abhängigkeiten im Allgemeinen. Die Therapeutin Karen (Alanna Ubach) sagt den Patientinnen und dem einen Patienten deutlich, um was es ihnen geht, um was es jedem Süchtigen geht:

„Wenn Eintrainiertes und Rituale erst gesetzt sind, die ewigen Gedanken über das Gewicht überwiegen, dann wird alles andere unwichtig und Hungern führt dazu, dass man sich euphorisch fühlen kann wie ein Drogenabhängiger oder ein Alkoholiker. Es geht nicht ums dünner werden, richtig? Ihr seid nie dünn genug, nie und nimmer. Was ihr alle hofft, dass ihr betäubt werdet und nichts empfinden müsst.“

Darum geht es bei so vielem, oder? Nicht das zu spüren, was das Leben vielleicht ausmacht, sondern nur das, was man zum einem kennt und was Euphorie verspricht, egal wie diese gelagert ist – als Rausch, als Drama, Hauptsache das Karussell dreht sich. Der Alkohol, die Drogen, der Dauerkonsum, die abhängigen und verstrickten Beziehungen, der Sport, die Arbeit. Alles berauscht und der Rausch betäubt… Das ist sicher nicht neu, aber ein Prinzip, das zu kennen nützlich ist.

Ellen beschließt schlussendlich, es zu schaffen und somit wird in Hollywood natürlich alles gut. Im wirklichen Leben bedarf es wohl mehr als eine Entscheidung. Vor allem wenn Verhaltensweisen so eingeübt und trainiert sind, dass man von Sucht sprechen kann. Sondern es ist Arbeit, jeden Tag vom neuen und immer wieder von vorne.

Sachsen-Anhalt, im März 2016

2011 haben in Sachsen-Anhalt 23,7 Prozent DIE LINKE gewählt, bei aller politischer Weiterentwicklung eine Partei, die ihre Wurzeln in einer Diktatur hat.

2016 wählen 24,2 Prozent die AfD, eine Partei, deren rassistischen Äußerungen an eine andere Diktatur erinnern.

Auch wenn die politische Agenda heute eine andere ist, fragt man sich, warum ein Viertel der Wähler damals wie heute an keine politische Mitte glauben kann.

Deutschland, im Februar 2016

Sehr geehrter Herr Seehofer, sehr geehrter Herr Ramsauer,

Sie sagen, Deutschland sei ein Rechtsstaat.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ (Art.1 GG)

Im ersten Semester Jura lernt man, das ist das Basisgrundrecht. Als Menschenrecht und Grundrecht ist dieser Artikel in einem Rechtsstaat somit einklagbar. Vielleicht sollte man das den Flüchtlingen sagen. Ich schlage dafür Frau Merkel vor, denn sie scheint zu wissen, was dieser Artikel inhaltlich bedeutet.

Mit freundlichen Grüßen

Re-thinking

Überall, im Januar 2016

 

1.1. – Hundere von Übergriffen auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof
2.1. – Saudi-Arabien richtet 47 Menschen hin
4.1. – EU-Mitglied Polen verabschiedet ein Gesetz gegen die Pressefreiheit, andere EU-Staaten wie Schweden und Dänemark kontrollieren verstärkt ihre Grenzen
5.1. – Camerons Regierung wirbt für Brexit-Referendum
6.1. – In Madaya in Syrien verhungern Kinder
7.1. – In Paris wird ein neuer mutmaßlicher Attentäter erschossen
8.1. – In Tel Aviv, Hurghada und Philadelphia wird in Hotels und Bars ebenfalls geschossen, die Polizei schießt zurück.
9.1. – Pegida schlägt in Köln auf
11.1. – David Bowie stirbt
12.1. – Anschlag des IS auf Touristen bei Blauer Moschee und Haga Sofia in Istanbul
13.1. – Menschenrechtsaktivistin Samar Badawi, Schwester von Blogger Raif Badawi, wird inklusive ihrer zweijährigen Tochter in Saudi-Arabien festgenommen
14.1. – …

Es kann nur besser werden, oder?!

Paris, im November 2015

Es ist sicher sehr schwer, zu wissen, was für eine Politik man diesen Attacken auf Paris jetzt, Charlie Hebdo im Januar, auf die Metrojet-Maschine über der Sinai-Halbinsel, auf all die vergangenen Anschläge und denen, die schlimmerweise wohl noch folgen dürften, entgegensetzen soll, vor allem wenn Täter argumentativ unerreichbar zu sein scheinen?!?

Vieles erscheint natürlich klar, wir müssen unsere politischen und auch persönlichen Werte verteidigen, und niemand soll uns das Recht nehmen, so zu leben, wie wir das möchten. Und selbstverständlich ist es absolut indiskutabel und unverzeihlich, dass Menschen versuchen, uns alle durch Gewalt, Mord und Einschüchterung davon abzuhalten – und das muss natürlich auch entsprechend geahndet werden.

Ich frage mich jedoch auch bei aller Trauer, Wut und dem Gefühl großer Ohnmacht, wenn sowas passiert, wie überwiegend so junge Menschen dazu gebracht werden können, ihr eigenes Leben wegzuwerfen und andere auch noch mit in den Tod zu reißen. Und eine Antwort (von sicher vielen) scheint mir zumindest zu sein, dass es die Perspektivlosigkeit für das eigene Leben oder auch das eigene Land sein muss, die diese Menschen für diesen Wahn empfänglich macht und dann dazu bringt, mit dieser Grausamkeit zu handeln.
Und da, denke ich, stehen wir dann doch auch selbst in der Verantwortung und da müssten wir und auch die Politik ansetzen: nicht ständig auf Kosten anderer Geld verdienen, nicht über ein Freihandelsabkommen große Regionen der Welt vom ökonomischen Wachstum ausschließen… alles Mögliche dafür tun, dass v.a. die gut ausgebildeten, zu uns geflüchteten Menschen, die politischen und geistigen Eliten jener Länder, irgendwann, wenn sie nicht mehr um ihr Leben fürchten müssen, in ihr Land zurückkehren (können), damit eben Perspektiven entstehen – statt vor allem auf das Potential für unsere eigene Wirtschaft zu schauen. Und bestimmt noch vieles mehr.
Vielleicht findet sich dann ja ein Weg, dass manche Menschen wieder Chancen für sich sehen, bevor !! sie sich radikalisieren und zu solch verabscheuungswürdigen und unverzeihlichen Taten schreiten, unter denen wir alle leiden.